Leipzig -- Deutsche Krankenhäuser stecken in der Krise. 91% der kommunalen Krankenhäuser schreiben Verluste. Die Inflation 2022-23 hat eine Erlöslücke von 4% aufgerissen. Ohne Eingreifen droht 50% der Krankenhäuser bis 2030 das Insolvenzrisiko.
Die deutsche Bundesregierung hat einen 50-Milliarden-Euro-Transformationsfonds zugesagt, um das System von volumenbasierter zu qualitätsbasierter Versorgung umzubauen, verankert in einem neuen Vergütungsmodell namens Leistungsgruppen. Aber wo passt die Radiologie in diese neue Struktur hinein?
Die Antwort ist laut Vortragenden unklar. Die Radiologie ist im aktuellen Leistungsgruppen-Rahmen nicht erlösrelevant, so Professor Wessling aus Münster. Die Reform definiert 61 sogenannte Leistungsgruppen, aber die Radiologie hat keine eigene Kategorie. Das bedeutet: Radiologische Leistungen werden trotz ihrer Bedeutung für Diagnostik, Screening und interventionelle Onkologie im neuen Modell nicht explizit als erlösgenerierend anerkannt.
Existenzieller Versorgungsengpass: Kinderradiologie
Bleibt die Radiologie im Vergütungssystem unsichtbar, droht den Abteilungen eine systematische Unterfinanzierung, zu einer Zeit, in der die KI-Implementierung, Deutschlands neues Lungenkrebsscreening-Programm und der Ausbau der interventionellen Radiologie mehr Investitionen erfordern, nicht weniger.
Eine Fachrichtung steht vor einem existenziellen Versorgungsengpass: die Kinderradiologie. Wessling wies auf eine Krise hin, die in der Reformdebatte kaum wahrgenommen wird: Deutschland hat 147 qualifizierte Kinderradiolog:innen (also etwa eine Fachkraft für 95.000 Kinder, Anm. d. Red.), aber 2025 fanden nur fünf Weiterbildungsprüfungen statt. Die Fachrichtung verschwindet, und die Krankenhausreform unternimmt nichts dagegen. Die Kinderradiologie ist in der Leistungsgruppen-Struktur nicht einmal vertreten. Die Kindermedizin, so Wessling, ist gefährdet, wenn sie erlösirrelevant bleibt.
„Kleine Fachgruppen müssen das Krankenhausgesetz aktiv mitgestalten", warnt Paula Piechotta, vom deutschen Bundestag, Ärztin) beim RöKo 2026.Claudia Tschabuschnig
Piechotta wies „faule" Vergleiche mit Dänemark zurück und betonte, dass Deutschland die jahrzehntelange Zentralisierung fehlt, die das dänische Modell trägt. Sie verwies auch auf die Notwendigkeit der Bündelung, nicht nur innerhalb der Radiologie, sondern auch über Nuklearmedizin und andere bildgebende Fachrichtungen hinweg, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten.
Umstellung auf Vorhaltefinanzierung für Infrastruktur und Personal
Dirk Köcher, Experte für Krankenhausmanagement, legte das Ausmaß der Krise dar: Krankenhäuser tragen 9 Milliarden Euro aufgelaufene Schulden, der Personalmangel ist akut, und das aktuelle DRG-System setzt Anreize für Volumen statt Ergebnisse. Die Reform zielt darauf ab, dies zu beheben, indem sie auf Vorhaltefinanzierung für Infrastruktur und Personal umstellt, kombiniert mit fallbasierten Zahlungen nur für definierte Leistungsgruppen.
Dirk Köcher, Experte für Krankenhausmanagement und Paula Piechotta, Mitglied des deutschen Bundestags und Ärztin, diskutierten beim RöKo 2026 über die deutsche Krankenhausreform, ein seltener Moment offenen Konflikts zwischen Politik und Praxis.Claudia Tschabuschnig
Für die Radiologie steht besonders viel auf dem Spiel. Kleine Fachrichtungen wie Kinderradiologie, Nuklearmedizin und interventionelle Radiologie können nicht auf Anerkennung warten, sie müssen das Gesetz aktiv mitgestalten. Andernfalls könnte die Reform, die deutsche Krankenhäuser retten soll, die Radiologie für eine Generation strukturell benachteiligen, und die Kinderradiologie könnte ganz verschwinden.
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