"Radiologie grenzenlos": Der 107. Deutsche Röntgenkongress in Leipzig eröffnet

Grenzen zwischen Diagnostik und Therapie, zwischen Klinik und Praxis, zwischen Disziplinen und Berufsgruppen überwinden -- und Radiologie als gemeinschaftliches Projekt sichtbar machen. 

Die Kongresspräsidenten Prof. Dr. med. Saif Afat (Universitätsklinikum Tübingen) und Prof. Dr. med. Daniel Pinto dos Santos (Universitätsmedizin Mainz) bei der Eröffnungsveranstaltung von RöKo 2026.Die Kongresspräsidenten Prof. Dr. med. Saif Afat (Universitätsklinikum Tübingen) und Prof. Dr. med. Daniel Pinto dos Santos (Universitätsmedizin Mainz) bei der Eröffnungsveranstaltung von RöKo 2026.Claudia TschabuschnigDas war das erklärte Ziel der Kongresspräsidenten Prof. Dr. med. Saif Afat von der Universitätsklinik Tübingen und Prof. Dr. med. Daniel Pinto dos Santos, Universitätsmedizin Mainz, die das Publikum bei der Eröffnungsveranstaltung im Congress Center Leipzig begrüßten. 

Dorina Petersen, freiberufliche MTR und Podcast-Host, entführte das Publikum durch die Geschichte der Röntgenstrahlung.Dorina Petersen, freiberufliche MTR und Podcast-Host, entführte das Publikum durch die Geschichte der Röntgenstrahlung.Claudia TschabuschnigDorina Petersen, freiberufliche MTR, und Podcast-Host von "Die Faszination der Radiologie", entführte das Publikum anschließend in einem Vortrag durch die Geschichte der Röntgenstrahlung -- von der Entdeckung Wilhelm Conrad Röntgens 1895 über Marie Curie bis zu den dunkelsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts, darunter der Missbrauch ionisierender Strahlung in Krieg, Verfolgung und medizinischen Menschenversuchen in Konzentrationslagern.

"Strahlen gehören der Allgemeinheit, sie gehören der Menschheit," zitierte Petersen Röntgen selbst, der kein Patent auf seine Entdeckung anmeldete. Und über Marie Curie: "Diese strahlende Dunkelheit, aus der kleine Lichter aufleuchteten." 

"KI braucht den MTR, nicht umgekehrt"

David Rutkevich vom Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin präsentierte einen kritischen Blick auf KI in der Radiologie unter dem Titel „Ciao MTR -- welcome KI?'David Rutkevich vom Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin präsentierte einen kritischen Blick auf KI in der Radiologie unter dem Titel „Ciao MTR -- welcome KI?"Claudia TschabuschnigZurück in die Zukunft führte David Rutkevich vom Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin, mit einem kritischen Blick auf KI in der Radiologie. Segmentierungsmodelle wie der Total Segmentator oder die Multimodalitäts-Ansätze liefern beeindruckende Zahlen, räumte er ein, nämlich Genauigkeiten von bis zu 90 Prozent, Beschleunigungen um den Faktor zehn im MRT. 

Die Kehrseite: Diese Zahlen seien oft auf Marketing getrimmt und kämen ausschließlich aus den Testdatensätzen, auf denen die Modelle trainiert wurden. Wende man dieselben Modelle auf Daten eines anderen Herstellers oder einer anderen Institution an, breche die Genauigkeit drastisch ein. "Die Modelle lernen den Datensatz auswendig, sie lernen nicht die Aufgabe."

Noch problematischer sei der Effekt auf die klinische Expertise. Rutkevich zitierte Studien, wonach fast 80 Prozent aller Softwareentwickler KI-Tools nutzen oder nutzen wollen, parallel dazu aber ein Rückgang der Programmierfähigkeiten um 70 Prozent zu beobachten sei. 

In der Radiologie sehe er dasselbe Muster: MTR drückten zunehmend auf "Approve", ohne zu wissen, was die KI eigentlich gemacht habe. "Diese Fehler werden immer häufiger, weil die Leute nicht einfach "Nein" sagen können - oder auch nicht wissen, was falsch ist."

"KI braucht den MTR, nicht umgekehrt", so sein Schlussplädoyer. KI übernehme Routineaufgaben, aber die klinische Verantwortung und die Patientenversorgung sollen beim Menschen bleiben. Deren Rolle wandelt sich: vom Operator zum Dirigenten. Und wer diesen Prozess mitgestalte, werde unersetzlich.

Moderiert wurde der Auftakt von Claudia Mundry, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Technolog:innen für Radiologie (DGMTR), gemeinsam mit Anton Sheahan Quinsten. Im Rahmen der Eröffnung wurden zwei Preise verliehen: Die DGMTR-Ehrenmitgliedschaft ging an Claudia Verloh aus Münster, die seit Jahrzehnten die Ausbildung und Professionalisierung im MTR-Beruf geprägt hat. Den MTR-Röntgenpreis in der Kategorie Ausbildung erhielt Jürgen Wameling, aus Münster, für sein Engagement in der MTR-Ausbildung.

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